Autor: Marlen Haushofer
ISBN-13: 9783552049581
Einband: Buch
Seiten: 197
Gewicht: 321 g
Format: 211x134x22 mm
Sprache: Deutsch
Die Neuausgabe von Marlen Haushofers großem Roman "Die Tapetentür" zum 80. Geburtstag der Autorin. 1957 erstmals erschienen, handelt er von Liebe und Traurigkeit, der Einsamkeit und dem Bekenntnis zum Leid. Ein unheilvolles, wenn auch unbewusstes Wissen klingt in jeder Zeile dieses faszinierenden Psychogramms einer Frau um die Dreißig an. "Dieses Porträt eines eigensinnig-selbständigen Frauentyps hat über die Jahre noch an Modernität gewonnen." Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Neuausgabe von Marlen Haushofers großem Roman "Die Tapetentür" zum 80. Geburtstag der Autorin. 1957 erstmals erschienen, handelt er von Liebe und Traurigkeit, der Einsamkeit und dem Bekenntnis zum Leid. Ein unheilvolles, wenn auch unbewusstes Wissen klingt in jeder Zeile dieses faszinierenden Psychogramms einer Frau um die Dreißig an.
Autor: Marlen Haushofer
Marlen Haushofer wurde 1920 im oberösterreichischen Frauenstein geboren. Sie studierte Germanistik in Wien und Graz und lebte später in Steyr. 1946 veröffentlichte sie ihren ersten Text. 1963 erschien "Die Wand", 1969, als ihr letzter Roman, "Die Mansarde". Marlen Haushofer zählt heute mit Ingeborg Bachmann zu den Vorläuferinnen der modernen Frauenliteratur. Marlen Haushofer wurde mit zahlreichen Literaturpreisen geehrt: 1953 Förderungspreis des österreichischen Staatspreises, 1956 Preis des Theodor-Körner-Stiftungsfonds, 1963 Arthur-Schnitzler-Preis, 1965 und 1967 Kinderbuchpreis der Stadt Wien und 1968 Österreichischer Staatspreis für Literatur.
Annette trat ans Fenster und wartete, bis Gregor aus dem Haus kam. Mit beschwingten Schritten ging er auf den Wagen zu, stieg ein und steckte den Zündschlüssel an. Der Motor fing an zu brummen, und Annette sah einen flüchtigen Augenblick lang die vertrauten Hände auf dem Lenkrad liegen. Dann bog der Wagen in die Allee ein und verschwand. Gregor hatte nicht einmal zurückgeblickt, nicht aus Unfreundlichkeit, sondern weil er ganz und gar mit der Aufgabe beschäftigt war, seinen Wagen zu starten, außerdem wäre ihm nie eingefallen, Annette könne dort oben am Fenster stehen und ihm nachsehen. "Leg dich doch noch einmal hin", hatte er gesagt, "du siehst nicht gut aus" und "du hast ja heute Zeit". Ja, sie hatte Zeit, ihr freier Tag war heute, ein ganzer Tag ohne Bibliothek, aber auch ohne Gregor. Sie fühlte sich müde und schwindlig, wie immer in den letzten Monaten; es war vielleicht wirklich besser, noch einmal zu versuchen einzuschlafen. Auf dem Tisch stand die Schale, aus der Gregor eben noch getrunken hatte, ein Zigarettenstummel lag zerdrückt im Aschenbecher. Annette nahm die Schale in die Hand und setzte sie an den Mund, genau an der Stelle, an der Gregor getrunken hatte. Der kleine Kaffeerest schmeckte bitter und war schon ganz kalt. Annette lächelte über sich selbst bei dem Gedanken, wie sehr sie es immer verabscheut hatte, aus einer fremden Schale zu trinken oder einen schon benützten Löffel zu verwenden. Ich kenne mich selbst nicht wieder, dachte sie, ich bin einfach nicht mehr der Mensch, der ich einmal war. Sie trug das Geschirr in die Küche, spülte es ab und ging dann ins Schlafzimmer. Die Vorhänge waren über den offenen Fenstern zugezogen, und sie fröstelte. Sie legte den Morgenrock ab und kroch in Gregors Bett, das noch ein wenig Wärme seines großen Körpers aufbewahrt hatte. Das Gesicht in die Mulde des Kissens gedrückt, streckte sie sich lang aus und schloß die Augen. Warum war Gregor nicht bei ihr? Niemals war er so bei ihr, wie sie es wünschte. Er nahm sie in die Arme, und sie war betäubt und unfähig zu denken und zu fühlen, und später war er völlig wach, klar und sehr weit weg von ihr. Er konnte einfach nicht neben ihr liegen, ihre Hand halten und nichts als zärtlich sein. Was ihr blieb, war immer nur der Abdruck seines Körpers im Bett, ein Hauch seiner Wärme und sein besonderer Duft auf dem Kissen. Ja, eigentlich war seine Gegenwart nie intensiver als kurz nach seinem Weggehen. Und auch das blieb ihr nur selten, da sie ja auch nicht zu Hause bleiben konnte. Annette streichelte den Polster und schämte sich. Sie versuchte niemals, Gregor zu Zärtlichkeiten zu bewegen, denn sie spürte deutlich, daß sie für ihn nicht mehr bedeuteten als die Einleitung, die eine Frau eben brauchte, um in Stimmung zu kommen, oder die unvermeidliche Rücksichtnahme, die man ihr schuldete, wenn man sie besessen hatte. Und das gab ihr ein häßliches Gefühl und machte sie unsicher. Selbst Gregor, so erfahren er in Liebesdingen war, konnte dieses leise Unbehagen in ihr nicht ersticken. Es war nicht seine Schuld, daß er ein Mann war, ebensowenig aber war es ihre Schuld, daß sie wie eine Frau empfand. Es war nur ein wenig störend und traurig, und sie konnte nichts tun, als es hinnehmen, wie sie alles hinnahm, was von Gregor kam. Wahrscheinlich wäre es ihr sogar verdächtig und unnatürlich erschienen, hätte er sich anders benommen. Sie mußte sich nur davor hüten, in ihren Träumen mit einem Gregor zu leben, den es nicht gab und nicht geben konnte, der einfach ein Unding war, denn was anderes konnte ein Mann schon sein, der dem Hirn einer Frau entsprungen war. Auch jede Frau in den von Männern geschriebenen Romanen war ein Unding, und das hatte sie beim Lesen noch immer geärgert und verstimmt; derartige Romane waren anmaßend und unwahr. Die einzige Möglichkeit war wohl, das Verhalten eines Menschen aufzuzeichnen. So und so benimmt er sich in einer gewissen Situation, ich weiß nicht warum und

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Autor: Marlen Haushofer
ISBN-13 :: 9783552049581
ISBN: 3552049584
Erscheinungsjahr: 13.03.2000
Verlag: Zsolnay-Verlag
Gewicht: 321g
Seiten: 197
Sprache: Deutsch
Sonstiges: Buch, 211x134x22 mm