In Sachen Deutschtum

Biographie und Geschichte im Urteil über ein regimeloyales Tagebuch aus der NS-Zeit
 Taschenbuch
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ISBN-13:
9783941955585
Einband:
Taschenbuch
Erscheinungsdatum:
01.10.2012
Seiten:
521
Autor:
Peter Lesko
Gewicht:
630 g
Format:
209x147x33 mm
Sprache:
Deutsch
Beschreibung:

Es ist immer ein seltsames Gefühl, wenn man das Tagebuch eines nahen Verwandten in die Hand nimmt. Doch was, wenn dieses Tagebuch im Zweiten Weltkrieg geschrieben wurde - versehen mit Kriegsverherrlichung, "Führer"glauben, Nationalismus, Antisemitismus? Der Tagebuchschreiber war ein gebildeter Mann - Theologe, Altphilologe, Studiendirektor, Schriftsteller, dazu Logenbruder, befreundet mit Juden und Sozialdemokraten. Wie konnte er, obwohl 1933 eben wegen dieser Beziehungen der "politischen Unzuverlässigkeit" bezichtigt und degradiert, zum entschiedenen NS-Sympathisanten werden? Dieser Frage geht der Autor, ehemaliger Universitätsdozent in Frankfurt am Main, anhand der Aufzeichnungen nach. Dabei handelt es sich um den Versuch, den Einfluss grundlegender Bildungselemente des deutschen Nationalbewusstseins auf die exemplarische Vita eines gutbürgerlichen "Volksgenossen" zu erschließen und einen individuellen ("sozialtypischen") Lebenslauf in wechselseitige Beziehung zur Geschichte als der Taten- und Leidensbilanz des Kollektivs zu bringen, an dessen Verhängnis der Chronist in seiner Rolle als Vertreter des intellektuellen Sympathisantentums auf seine Weise beteiligt war. Vor dem Hintergrund eines breit gefächerten, Politik, Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft, Ideologien umfassenden historischen Spektrums bildet die Analyse und Wertung der beiden Aspekte der Arbeit - Nationalismus (Patriotismus) und Antisemitismus - die Basis einer kritischen Auseinandersetzung mit den vorherrschenden Meinungen über das Verhältnis zwischen NS-Faszination und totalitärer Repression, die Pathologie des "Deutschtums", die Intensität des Antisemitismus, die Mentalität und Funktion der Wehrmacht sowie generell den "Konsens" zwischen dem Hitler-Regime und dem deutschen Volk als Maßstäbe für die Beurteilung des Tagebuchs und seines Verfassers in einem gleichsam forensischen Rahmen. Hat die Geschichte als Entlastungszeuge einen Einfluss auf das "Urteil"?

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